10 einfache Schritte zum Vorlesen

Wie Sie Ihrem Kind am besten vorlesen: 10 einfache Schritte

Wenn Sie ein Buch einfach nur Vorlesen, ist es für Sie beide vielleicht nicht mehr spannend genug, und je langweiliger das Lesen wird, desto seltener tun Sie es. Auch wenn Ihr Kind schon selbst lesen kann, freut es sich immer noch, wenn Sie ihm eine Geschichte vorlesen – vor allem, wenn Sie diese gut vorlesen.

Lesen Sie am richtigen Ort, zur richtigen Zeit

Wählen Sie für die Lesestunde eine Zeit aus, in der Ihr Kind entweder aufmerksam ist oder sich entspannen möchte, aber nicht übermüdet ist. Suchen Sie sich ein Buch aus, das der gegenwärtigen Laune Ihres Kindes entspricht. Steckt Ihr Kind gerade voller Energie, wählen Sie ein Buch aus, mit dem das Kind seine Energie austoben kann, zum Beispiel beim Öffnen und Schließen von Türchen im Buch. Wenn sich das Kind entspannen möchte, sollten Sie ein Buch mit beruhigenden und sich reimenden Texten wählen. Führen Sie für die Lesestunden nach Möglichkeit feste Zeiten ein. Machen Sie es sich deshalb mit Ihrem Kind in seiner Lieblingsecke bequem und lassen Sie es aus einer Anzahl von verschiedenen Büchern wählen. Sorgen Sie für eine ruhige Atmosphäre.

Lesen soll Spaß machen

Wählen Sie Bücher, die beim Vorlesen Spaß machen. Entdecken Sie den Schauspieler in sich und denken Sie daran, dass alle guten Schauspieler eine Rolle immer wieder einüben müssen. Sehen Sie sich das Buch, das Sie vorlesen möchten, einige Zeit an. Lernen Sie die Rollen der verschiedenen Figuren aus dem Buch. Wählen Sie für jede Figur eine andere Stimme. Auch mit den Augen und Augenbrauen können Sie lustige oder dramatische Situationen unterstreichen. Unterbrechen Sie zwischendurch, um Ihrem Kind in die Augen zu schauen oder um die Spannung zu erhöhen. Albern Sie herum singen Sie den Text oder verwenden Sie den Namen Ihres Kindes oder des Haustieres für eine Hauptfigur in der Geschichte. Geben Sie einfache Anweisungen, zum Beispiel «mach muh, wie die Kuh», «kitzle meine Füße», «streichle die Katze» das Kind wird Ihren Aufforderungen mit Begeisterung nachkommen. Ermutigen Sie Ihr Kind, auch eine Rolle zu spielen – Tierlaute nachzuahmen oder in die Hände zu klatschen sind verschiedene Möglichkeiten, das Kind aktiv zu beteiligen. Lachen Sie über sich selbst und Ihr Kind wird mitlachen. Kinder lernen am besten, wenn sie Spaß haben.

 

TIPPS FÜR DAS VORLESEN

• Seien Sie ein Schauspieler
• Üben Sie, bevor Sie das Buch lesen
• Geben Sie jeder Figur eine eigene Stimme
• Setzen Sie auch Gesten und Mimik ein
• Haben Sie Spaß


Sprechen, lesen und reden Sie darüber

Die Vorschuljahre sind für die Sprachentwicklung entscheidend. Die Sprachentwicklung ist ein wichtiger Indikator für den späteren Erfolg beim Lesen- und Schreibenlernen. Das klingt vielleicht merkwürdig, denn warum sollte man lesen, wenn man auch sprechen kann. Auch wenn wir über einen großen Wortschatz verfügen, benutzen wir in der Umgangssprache nur ungefähr 5.000 Worte. Wenn wir mit einem Kind sprechen, sind es sogar nur etwa 1.000 Worte. Wir erweitern den Wortschatz nur, wenn wir neue, meist seltene Wörter verwenden. In Kinderbüchern werden genau diese Wörter dreimal häufiger verwendet. Zudem benutzen Eltern beim Lesen seltener die «Baby Sprache» als in der täglichen Konversation. Eine langsame, melodiöse Sprechweise ist für ein Baby am besten. Um die Sprachfähigkeit zu entwickeln, ist es aber auch wichtig, richtige Wörter zu verwenden, zum Beispiel Hund anstelle von Wau Wau. Das Lesen von Geschichten ermöglicht Eltern von Vorschulkindern, die Sprache zu teilen und eine Verbindung zwischen den gesprochenen und den geschriebenen Wörtern zu schaffen. Die Bücher dienen aber nicht nur als «Werkzeug» zur Erweiterung des Wortschatzes. Sie fördern auch eine auf das Buch bezogene Konversation, die ebenfalls dazu dient, den Wortschatz zu vergrößern, und dies wiederum trägt direkt zum besseren Lesenlernen bei. Es wird ein positiver Kreis geschaffen. Fazit: Je besser ein Kind lesen kann, desto mehr wird es lesen. Und so wird dieser positive Kreis der Lese- und Schreibfertigkeit fortgesetzt.

Zeigen Sie auf Gegenstände und benennen Sie diese

Unterbrechen Sie die Geschichte an verschiedenen Stellen und sprechen Sie über die Bilder. Zeigen und benennen Sie Gegenstände auf den Abbildungen. Umfangreiche Wörterbücher mit detaillierten Abbildungen sind dafür gut geeignet. Unterstreichen Sie während des Lesens die einzelnen Wörter mit Ihrem Zeigefinger. Unterbrechen Sie, wenn Sie möchten, dass Ihr Kind einen Gegenstand benennt, zum Beispiel eine Katze. Fragen Sie Ihr Kind: «Wo ist die Katze?», und zeigen Sie darauf. Stellen Sie später die gleiche Frage noch einmal und Ihr Kind wird darauf zeigen. Wenn Ihr Kind auf einen Gegenstand zeigt, benennen Sie diesen. Sobald Ihr Kind mit Sprechen beginnt, zeigen Sie auf einen Gegenstand und fragen Sie Ihr Kind: «Was ist das?». Wenn Ihr Kind das Wort noch nicht kennt, benennen Sie es selbst. Das Benennen von Gegenständen allein ist nicht unmittelbar für das Lesenlernen hilfreich. Viel mehr Wirkung zeigt die Kombination, einen Gegenstand zu benennen und auch darüber zu sprechen. Sprechen Sie in kurzen Sätzen, die für das Kind einen Sinn ergeben.

Stellen Sie Fragen

Während der ersten gemeinsamen Leseerfahrungen mit Säuglingen sind Sie der Lehrer. Sobald Ihr Kind zu sprechen beginnt, können Sie es bestimmte Wörter oder Laute wiederholen lassen. Wenn Ihr Kind sprechen kann, bitten Sie es, anhand der Bilder die Geschichte auf seine Art und Weise zu erzählen. Wenn Ihr Kind älter ist und die Sprache noch besser beherrscht, stellen Sie ihm gezielte Fragen. Ermuntern Sie es, richtige Antworten zu formulieren und sprechen Sie über den Inhalt des Buches. Fragen Sie Ihr Kind nach seinen eigenen Erfahrungen, zum Beispiel im Zoo oder auf dem Spielplatz. Ermuntern Sie Ihr Kind, auch eigene Fragen zu stellen. Wenn es eine Frage stellt, die es Ihrer Meinung nach selbst beantworten kann, fragen Sie zurück: «Was meinst du?». So helfen Sie Ihrem Kind, seine eigenen Gedanken zu entwickeln.

Geben Sie immer ein positives Feedback

Sie als Eltern sind für Ihr Kind die wichtigsten Bezugspersonen. Sie haben die Macht, positive und in Erfüllung gehende Versprechungen zu machen – wenn Sie glauben, Ihr Kind wird etwas schaffen, dann schafft es Ihr Kind auch. Sie können Ihrem Kind zu Erfolg verhelfen, wenn Sie das Zusammenspiel mit Ihrem Kind altersgerecht gestalten. Eine Studie hat gezeigt, dass Fragen, die sich auf eine mit den Eltern gemeinsam gelesene Geschichte bezogen haben, von Kindern quer durch alle Altersgruppen zu 77 Prozent richtig beantwortet wurden. Dieses Ergebnis war anfangs überraschend, bis klar war, dass die Eltern nur Fragen gestellt haben, von denen Sie glaubten, dass ihr Kind sie auch richtig beantworten kann. Wenn eine Mutter glaubte, ihr Kind sei nicht in der Lage, einen Gegenstand zu benennen, hat sie die Frage selbst beantwortet. So konnte sie ihrem Kind ein positives Feedback geben und hat damit erreicht, dass ihr Kind motiviert und begeistert war. Achten Sie immer darauf, dass Ihr Kind die Worte «Ja, das ist richtig» oder «Vielleicht so, aber es könnte auch so sein» oft zu hören bekommt. Versuchen Sie das Wort «Nein» oder die Antwort «Das ist falsch» zu vermeiden. Loben Sie Ihr Kind während der gemeinsamen Lesestunde möglichst oft, denn Lob motiviert und regt an. 

 
Wenn Ihr Kind kein Interesse am Lesen zeigt, sollten Sie das Buch zur Seite legen und die Lesestunde verschieben.


Seien Sie ein Vorbild

Ihr Kind wird Bücher lieben, wenn es sieht, dass auch Sie Bücher lieben und regelmäßig lesen. Es hat sich gezeigt, dass Kinder, deren Eltern positiv gegenüber Büchern eingestellt sind, schon früh Interesse am Lesen haben. Bestimmt haben auch Sie schon folgende Erfahrung gemacht: Sie lesen die Zeitung und neben Ihnen «liest» Ihr einjähriges Kind ein Buch – verkehrt herum. Oder Ihr zweijähriges Kind verkündet stolz: «Ich kann lesen!», weil es in der Lage war, das Wort «Katze» zu erkennen. Kinder schätzen sich selbst als «Leser» ein, lange bevor sie lesen können. Durch diese Selbsteinschätzung wird das Kind motiviert, das Lesen lernen zu wollen. Lesen ist ein wichtiger Teil zur Integration in die Gesellschaft. Wenn Sie lesen – für sich selbst oder für Ihr Kind – sind Sie ein gutes Vorbild.

Erzwingen Sie nichts

Gehen Sie auf die Interessen und die Stimmungen Ihres Kindes ein. Wenn es bei der Lesestunde den Kopf abwendet oder keinen Augenkontakt sucht, ist es nicht interessiert. Ein aktives Kleinkind kann Mühe haben, beim Zuhören einer Geschichte still zu sitzen. Wenn Sie das Kind dazu zwingen, kann dies zu einer negativen Einstellung zum Vorlesen führen. Lassen Sie es sich frei bewegen. Versuchen Sie die Aufmerksamkeit des Kindes zu gewinnen, lassen Sie es zum Beispiel ein Tier aus der Geschichte nachahmen. Wenn es immer noch kein Interesse zeigt, sollten Sie das Buch zur Seite legen und die Lesestunde verschieben.

Machen Sie das Vorlesen zum täglichen Ritual

Es ist wichtig, dass Sie eine feste Zeit für die Lesestunde einführen. Lesen Sie Ihrem Kind täglich mindestens eine Viertelstunde vor. Ihr Kind wird sich darauf freuen. Häufiges Vorlesen wirkt sich auf das Lesenlernen positiv aus. Im Rahmen einer Studie wurde geschätzt, dass einigen Kindern bis zur Einschulung bis zu 6.000 Geschichten vorgelesen werden. Es stellte sich die Frage, welche Vorteile sich daraus ergeben. Eine Analyse von 41 verschiedenen Einzelstudien zum Thema «Gemeinsame Lesestunde von Eltern und Vorschulkindern» hat einen klaren Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Vorlesens und der Entwicklung der Sprache, der Allgemeinbildung und des Lesenlernens aufgezeigt. Aufgrund des Ergebnisses wird vermutet, dass die Häufigkeit und Qualität des gemeinsamen Lesens den Grundstein für später unterschiedliche akademische Erfolge bildet. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das Vorlesen von Geschichten eine der wichtigsten Aktivitäten für den späteren Lese-Erfolg ist.

Wählen Sie die richtigen Bücher

Wählen Sie für Ihr Kind die richtigen Bücher aus und lesen Sie diese immer und immer wieder. Die Wahl der Bücher beeinflusst die Art des Vorlesens und wie viel Spaß die Lesestunde Ihnen und Ihrem Kind macht. Wenn Sie zum Beispiel für Ihr Kind ein Buch über Gegenstände ausgesucht haben, sollten Sie die Gegenstände nicht nur benennen. Sie sollten mit ihm auch über die Gegenstände sprechen – zum Beispiel: «Siehst du den Ball? Du hast auch einen Ball. Er ist rot. Weißt du noch, gestern haben wir mit dem Ball gespielt. Wo haben wir denn mit ihm gespielt? Wir haben im Garten mit ihm gespielt!». Für Gespräche und Fragen über die Handlung eignen sich Geschichten mit einer Hauptfigur und einem Höhepunkt besonders gut. Die Bücher sollten Ihnen und Ihrem Kind Freude bereiten, besonders, wenn Sie sie mehrmals lesen möchten. Kinderbücher zeichnen sich dadurch aus, dass sie in den verschiedenen Entwicklungsstadien des Kindes mehrmals gelesen werden können. Wenn Sie ein Buch zum ersten Mal lesen, helfen Sie Ihrem Kind, den Sinn zu verstehen. Erklären Sie ihm unbekannte Themen oder Wörter und beschreiben Sie alles, was Sie sehen. Wenn Sie ein Buch schon mehrmals gelesen haben, können Sie die Leseerfahrungen in andere Richtungen lenken. Variieren Sie jetzt beim Erzählen, lesen Sie das Buch auf eine neue Art oder erfinden Sie zusätzliche Geschichten, die zum Thema passen. Das Wichtigste ist, dass Sie Bücher wählen, die Sie selbst gerne lesen und die sich Ihr Kind gerne ansieht. Achten Sie darauf, dass die Bücher dem Alter und der Entwicklung Ihres Kindes entsprechen. Altersgerechte Bücher sind Bücher, die etwas oberhalb vom derzeitigen Entwicklungsstand Ihres Kindes angesetzt sind. Wenn das Buch und dessen Inhalt etwas fortgeschrittener als das Niveau Ihres Kindes ist, können Sie es mit Ihrer Hilfe zu Fortschritten motivieren. Praktische Informationen über die Auswahl von altersgerechten Büchern werden in den folgenden Abschnitten beschrieben.

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